Geiridja
Noch bevor es Runen und Goden in Waligoi gab, gab es unter den Waljar, aus denen später die Wali wurden, Menschen, die mithilfe von besonderen Techniken versuchten, mit Götter der Wali und Geistern der belebten und unbelebten Natur in Verbindung zu treten, um Einblicke in die natürlichen Abläufe zu erhalten. Sie erhofften, dadurch Menschen besser heilen und für sich selbst Erleuchtung erlangen zu können. Um dies zu erreichen versuchten sie, die Kräfte der Natur, die in den Pflanzen, der Tierwelt, den sechs Elementen (Feuer, Wasser, Erde, Luft, Geist, Nichts) und zum Teil den göttlichen Wesen lagen, wahrzunehmen, zu lenken und zum Wohl der Wali einzusetzen. Diese Kunst wird Seidr genannt.
Ein Mensch, der sich damit befasst wird Geiridja genannt. Dieser Begriff bedeutet „mit Hitze und Feuer arbeiten“. Dies symbolisierte den Umgang mit und die Umwandlung von Kraft und Energie.
Im Weltbild der Geiridja geht man davon aus, dass alles belebt ist, da in allen Formen die Schöpferkraft, das Odem und der innere Geist des Lebens enthalten sind. Dadurch ist alle Existenz miteinander verbunden und kommuniziert auch miteinander. Deshalb wird alles, was existiert, sei es Pflanze, Tier, Steine etc. mit besonderem Respekt behandelt.
Um ein Geiridja zu werden, bedarf es einer langen Ausbildung, in der man einen erfahrenen Geiridja begleitet und ihm bei seinen Verrichtungen hilft. So erlernt man die Fähigkeiten und Überlieferungen. Im Rahmen der Ausbildung bindet der angehende Geiridja oftmals einen Hilfsgeist an sich, der ihn in Form eines Krafttieres sowohl in der realen als auch der Geisterwelt begleitet, ihn mit Kraft versorgt und seine Seele schützt. Den Abschluß der Ausbildung stellt das Initiationsritual dar, in dem der Geiridja erstmals ohne die Begleitung seines Meisters in die Geisterwelt reist, um dort sein Krafttier und seinen Namen zu finden, die seine Seele schützen sollen.
Heute gibt es nur noch wenige Geiridja in Waligoi, meistens finden sich sich unter den noch immer nomadisch herumziehenden Heden.
