Tönnyr

Die Tönnyr, die Zähne, sind das Gebirge das das Hochland von Yggrgard nach Osten hin abgrenzt. Es erhebt sich steil aus der Hochebene zur linken und der Ebene zur rechten und reicht von den südlichen Küsten des Hymir bis weit in den Nor. Es kann aufgrund seiner hohen Gipfel bereits aus einem Abstand von vier Tagesreisen gesichtet werden, sofern nicht Wolken  es verhüllen. Das Gebirge ist nur schwer zugänglich. Nur an wenigen Pässen kann es durchquert werden. Die bekanntesten werden durch Handelsstraßen genutzt. Es sind der Norstigr und der Sudstigr, der Nord- und der Südpass. Diese sind an acht Monden des Jahres begehbar, während die anderen, kleineren Pässe oft nur an vier bis sechs Monden begangen werden können. An anderen Stellen gelingt es nur einigen vereinzelten, wagemutigen Menschen, das Gebirge zu überwinden. Von den Wali sind die Tönnyr nur spärlich besiedelt. Nur in einigen Tälern gibt es vereinzelte Höfe, zumal in vielen Tälern Gletscher herabgleiten.

Die Berge haben aufgrund der rauen Wetterverhältnisse des Nors schon in geringer Höhe nur noch spärlichen Bewuchs und nur in geschützten Tälern und Spalten können sich geschlossene Wiesen aus Gräsern, Kräutern und verkrüppeltem Buschwerk halten. Aber gerade unter diesem kargen Bewuchs finden sich die wirkungsvollsten Heilpflanzen, so dass jedes Jahr im Sommer viele Heilkundige dort ihre Mittel suchen. Nicht wenige kommen dabei ums Leben. Weiter Menschen suchen im Gebirge nach Vorkommen von Gold, Silber und Edelsteinen. Auch dabei verlieren nicht wenige ihr Leben.

Es gibt einige herausragende Gipfel in den Tönnyr die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften von den Wali Namen bekommen haben. Einer ist der Rauta, der Brüller, den in den Sommermonden starke Winde umströmen und dabei einen Ton erzeugen, der bis zu einem Tagesmarsch weit zu vernehmen ist. Der Gipfel Hrami, der Reißer, hat die Form eines Wolfszahns. Der Geirpik, die Speerspitze, ist der höchste Gipfel in den Tönnyr und oft schlagen dort Blitze ein. Der Thruma, das Horn, ist gebogen wie ein Thrumar-Horn und neigt sich schwindelerregend nach Osten. Der Gipfel Gungnir, der Schwankende, wird häufig durch Erdbeben erschüttert und oft brechen große Felsen von ihm ab und stürzen in die Tiefe.

Drei große Flüsse entspringen den Tönnyr. Zwei der Flüsse haben ihre Quellen in der Nähe der beiden Hauptpässe. Der eine ist das Taivatnar, das Tai-Wasser, der sich in die Taibuchtr ergießt, an der Taihartu liegt. Der andere ist das Blodvatnar, das Blutwasser, das früher Sulvatnar, das Klarwasser, hieß. Dieser Fluss ist der längste in Waligoi. Er fließt in den See Sulsjurdar, dem Klaren See, an dem Sestat liegt und von dort unter dem Namen Silvetni, das Schleichwasser,  weiter mit geringer Strömung bis zur Buchtr yr Boras, an der die Stadt Boras liegt. Er ist ein wichtiger Handelsweg von Süden Waligois bis zu den Pässen des Tönnyr. Der dritte Fluss ist die Rukdrekka, die Ruk-Tränke, die einstmals, als sie noch Hrattvatnar, das Schnellwasser, hieß in den Nor, zum Endlosen Ozean floss und sich auf diesem Weg mit dem Tvyr-Fluss, dem Zwillingsfluss, verband. In den Dritten Rukr-Kriegen wurde der Fluss jedoch in den Urrspalt umgeleitet, um die Rukr darin zu ertränken und danach umbenannt.

Auf den bewachsenen Hängen des Tönnyr leben Snjargeifla, Schneemurmler, die unterirdische Gänge graben und in großen Gemeinschaften dort ihre Jungen groß ziehen. Im Winter graben sie Gänge im Schnee um an essbare Pflanzen zu gelangen. Zu dieser Jahreszeit haben sie ein weißlich-graues Fell, im Sommer wandelt sich dieses zu einer braunen Farbe. Sie sind von der Größe eines Hasen und sind sehr schmackhaft. Gejagt werden sie von dem Grauluchs, der Grárkat und angeblich auch von der Skuggir, die bis in große Höhen vordringen soll. Von diesen Katzen werden aber auch die größeren Tiere gejagt, wie dem Bjargklufa, dem Felsenspalter, einem dickhornigen, weißen Schaf, dem man nachsagt, er könne mit seinem Kopfstoß Felsen spalten, die dann auf unaufmerksame Bergsteiger herabfallen oder dem Jokullkvigr, dem Gletscherochsen, der von den Thrumari abstammt und entsprechend wild ist. Auf den Gipfeln und Zinnen des Gebirges haben die Tönnyr-Aar ihre Horste, von denen sie viele Tagesreisen weit ausfliegen um ihre Beute zu jagen, zu denen auch Rukr gehören.

Sagen behaupten, dass die Götter unterhalb der Tönnyr Wesen angesiedelt haben, die Dvergar genannt werden. Sie sollen Schöpfungen feindlicher Götter sein, die gefangen und nachdem sie von Hyldir mit einer Seele versehen wurden, als Wesen mit freiem Willen dort hausen. Dort errichten sie nun große Felsenhallen und bauen edle Metalle und Steine ab aus denen sie Kunstwerke sowie gewaltige Waffen und Rüstungen herstellen. Die Götter sollen ihnen jedoch auch zur Aufgabe gemacht haben, gegen die Ungeheuer, die aus der Tiefe heraufsteigen zu kämpfen um sie von der Welt fern zu halten. Außerdem soll in den hohen Tälern ein Wesen leben, das Issborr, der Eismann, genannt wird und ähnlich den Menschen sein soll, aber mit Fell bewachsen ist. Ihm wird nachgesagt, er raube Kinder aus den Betten nahegelegener Höfe um sie zu verspeisen. Weiter Sagengestalten sind die Issjotunn, die Eisriesen, die auf den Gletschern und den immer mit Schnee und Eis bedeckten Gipfeln hausen sollen und von dort Eis- und Gerölllawinen in die Welt unter sie herabstürzen. Auch soll auf dem Gipfel Rauta die Winterherrin, die Vetrdraettning, eine ihrer beiden Hallen haben. Die andere soll weit im Norden auf dem Eis des Endlosen Ozeans liegen. Wenn sie jedoch in ihrer Halle auf dem Rauta wohnt, kommt der Winter über das Land. Weilt sie jedoch nicht dort, weint der Gipfel. Noch vielen anderen Sagengestalten wird das Gebirge als Heimat zugeschrieben.

Die Tönnyr haben immer als Bollwerk gegen Eindringlinge aus dem Osten gedient. Besonders die beiden Pässe waren oft Schauplatz großer Schlachten. Die wichtigste fand zu den Dritten Rukr-Kriegen statt, nämlich die Schlacht am Nordpass, in der weniger als viertausend Wali dort mit der Unterstützung des Gryggr mehrere Tage lang ein Heer von hunderttausend Rukr unter der Führung des Eldurgefja, des Feuerbringers, aufgehalten haben, bis diese sich zurückziehen mussten. Dabei sind mehr als zweitausend Krieger der Wali gefallen und später in einer Höhle am Pass bestattet worden. Eine Runentafel erinnert dort jeden Vorbeireisenden an die Namen der Gefallenen, die aus jeder der heute noch bestehenden Sippen Waligois und aus allen Stämmen stammten.

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