Herstkeri und der Zauberer
Einst wanderte aus dem Süden ein Mann über den großen Sumpf hinein nach Waligoi. Er war in seiner alten Heimat ein zauberkundiger Mann gewesen und wollte sich nun, da es ihm dort zu eng geworden war, ein neues Land und dessen Volk unterwerfen. So wanderte er über die Haeturd Byrgr und durch das Kedir yr Ystrurd und gelangte schließlich in die Nähe von Tune. Er fand Unterschlupf in einer Höhle in den weslichen Hügeln der Hymring Naedr. Dort traf er auf Rukr und, weil er Nachkomme ihrer einstmaligen Herren war, erlangte die Herrschaft über sie.
Bald begannen er und die Rukr, Heerestruppen auszusenden, um die umliegenden Ländereien zu plündern. Sie dehnten ihre Wanderungen immer weiter aus, bis sie nahe Tunes auf Krieger der Wali trafen, die ausgezogen waren, dem Unwesen der Rukr ein Ende zu bereiten. Da die Rukr und der Zauberer in der Überzahl waren, konnten die Wali jedoch nichts ausrichten und zogen sich nach Tune zurück. Bald schon war Tune von Heeren der Rukr umgeben und nicht einmal mehr eine Maus konnte in die Stadt hinein oder heraus gelangen. Diese Belagerung hielt den Sommer über an und die Rukr fraßen sich durch Felder, Scheunen und Ställe.
Eines Tages, in frühen Herbst, da schon der erste Schnee in den Wolken über dem Isburdret hing, saß der Zauberer mit seinen Wachen in seinem Lager nördlich von Tune, da trat aus den Felsen ein Mann heraus, der war nur bekleidet mit Fellen. Sein Haar war wild und er sah aus, als habe er sich schon seit Jahren nicht mehr gewaschen. Sofort wollten die Wachen ihn binden, doch er winkte sie fort und zur Überraschung des Zauberers ließen sie den Fremden in Ruhe. Der kam nun heran und setzte sich schweigend an das Feuer, an dem der Zauberer seine Hände wärmte. Da sprach dieser ihn an, doch der Fremde schaute ihn nicht einmal an, sondern stocherte mit einem Stock im Feuer herum. Nach einiger Zeit sagte der Fremde jedoch in einer tiefen, dem Donnergrollen ähnlichen Stimme und sagte: „Dies sage ich, Herstkeri, dir: Du wirst jetzt gehen und nicht wieder anhalten, bevor du den Großen Sumpf überquerst hast! Wenn du aber nicht gehst, wirst du für immer an diesem Ort verweilen.“ Der Zauberer lachte und meinte, wieso er auf einen dahergelaufenen Lumpen hören solle. Da griff Herstkeri in das Feuer, ergriff einen glühenden Klumpen Holzkohle und hielt ihn dem Zauberer entgegen. „Kannst du dies auch?“ fragte er.
Da befahl der Zauberer seinen Rukr, diesen Herstkeri zu erschlagen und seinen Leib den Vargen vorzuwerfen. Doch der warf ihnen dermaßen glühende Blicke zu, dass sie dies nicht wagten, sondern weiter zurückwichen. Da warf der Zauberer Feuer gegen Herstkeri und wollte ihn verbrennen. Doch der lachte nur und trat unversehrt aus den Flammen heraus. Dann griff einen mächtigen Felsen und warf ihn auf den Zauberer mit solch einer Kraft, dass er halb in den Boden versank und den Zauberer unter sich begrub. Die Rukr aber flohen und wurden seit dem in der Gegend nur noch selten gesehen.
Der Stein aber, der etwa zwei Wegstunden nördlich von Tune im Gras liegt, wird seit dem Vitkisteinn genannt. Es wird berichtet, dass in mondlosen Nächten der Zauberer immer noch versucht, unter dem Felsen hervorzukommen. Dann hört man ein Kratzen und Schaben unter dem Stein. Deshalb gehen die Leute in der Nacht nicht zu dem Stein.
