Wie Höggr das Urfeuer in die Erde zwang

Als die Welt geschaffen wurde, konnte niemand das Urfeuer auf ihr bändigen. Oft wälzte es sich in Form einer riesigen Feuerschlage über alle Länder auf der Welt und verbrannte alles, was die Götter schufen, ob es nun Tier oder Pflanze war. Selbst das Wasser wurde von der Welt in den Weltenraum vertrieben. Da saßen die Götter beisammen und berieten, wie das Urfeuer zu bändigen sei. Da ging zuerst Wali zu der Schlange und fragte sie, was sie dazu bringen könnte, auf der Welt nichts mehr zu verbrennen. Die Schlange antwortete, sie sei das Erste und das Letzte und erst wenn alles verbrannt sei, die Welt, die Götter und der gesamte Weltenraum, würde sie ihr Werk beenden und sich zum Schlaf niederlegen. Da holte Wali aus dem Weltenraum kaltes Eis und warf es auf die Schlange, doch diese schmolz das Eis mit ihrem Feuer. Nur weit im Norden ist davon noch etwas zurückgeblieben und bringt seitdem alljährlich den Winter über die Welt.

Nun machte sich Alswidr ans Werk und versuchte, die Schlange in einem steinernen Wall gefangen zu nehmen. Als die Schlange sich gefangen sah, schob und drückte sie in einem fort gegen den Wall, doch sie konnte nichts ausrichten. Sie richtete sich auf und schaute über ihn hinweg. Dort sah sie Alswidr über ihren Misserfolg lachen. Da wurde sie wütend und drängte noch stärker gegen den Wall. Schließlich fand sie einen Riss, nicht breiter als ein Haar. Dort setzte sie mit so starker Kraft an, dass ihr Leib selbst weißer glühte als Eisen in der stärksten Esse. Schließlich sprengte sie den Wall und Felsen flogen weit über die Welt hin. Davon entstanden die vielen Berge und Gebirge, die es auf der Welt gibt. Zu Alswidr jedoch meinte sie, sie sei das Erste und das Letzte und keines Gottes Werk könne sie bezwingen.

Nun griff Höggr seine Axt und meinte, da nun alle List und jedes Werk nutzlos sei, würde er das tun, was er am besten verstünde und die Schlange erschlagen. Er ging dorthin, wo die Schlange war und sagte zu ihr, sie mögen nun gegen ihn kämpfen oder diese Welt verlassen. Da antwortete die Schlange, nichts, was aus ihr selbst entstanden sei könne ihr etwas anhaben, der Gott möge sich getrost ans Werk machen. Da griff Höggr an und ein mächtiger Kampf tobte. So oft traf die Axt die Schlange, das sie selbst schließlich glühte wie die Schlange  und nur weil Alswidr sie gemacht hatte, schmolz sie nicht. Der Kampf dauerte viele Jahre und selbst Höggr wurde schließlich müde. Da sagte die Schlange, sie sei das Erste und das Letzte und kein Götterwerk könne sie aufhalten und er, Höggr, solle sich nun geschlagen geben. Doch Höggr lachte, denn dies war etwas, was er niemals tun würde. Da griff der Gott mit beiden Händen tief in die Felsen der Welt und riss sie weit auseinander, so dass ein weiter Spalt tief in das Innere der Welt reichte, tiefer noch als selbst die Djófullier ihre Heimstätten hatten. Dann umfasste er mit gewaltiger Kraft die Schlange und warf sie in diesen Spalt und ins Innere der Welt. Dabei wurde ihm so heiß, dass alle seine Haare rot wurden  und selbst seine Haut sich rötete. Dann meinte er zu der Schlange, dort solle sie bleiben, bis die Welt verginge, denn dieses Gefängnis sei kein Götterwerk.

Die Schlange aber dreht und wendet sich auch heute noch im tiefsten Inneren der Welt und versucht, aus diesem Gefängnis auszubrechen. Manchmal gelingt es ihr fast, dann dringt Feuer an die Oberfläche der Welt  oder sie hebt die Erde an, dass sich Hügel und warme Quellen bilden. Doch jedes Mal konnte Höggr verhindern, dass die Schlange wieder an die Oberfläche der Welt gelangte. Wali bestimmte Hyldir zu Wächterin des Urfeuers. Sie soll Höggr rufen, sobald die Schlange zu entfliehen droht.

Da nun das Urfeuer in die Tiefen der Welt verschwunden war, kam das Wasser zurück und die Werke der Götter hatten Bestand. Höggr aber war der Einzige, der es jemals gewagt hatte, das Urfeuer zu berühren. Damit erlangte er den hohen Ruhm unter allen. Dort aber, wo Höggr die Welt auseinander riss, ist heute in Waligoi noch der Urrspalt zu finden.

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