Einarsaga

Was vorher geschah

Ein Mann wohnte in Grüntal am Yggrfjord, der hieß Odil Rundwanst und war ein Sohn des Vrett Selfnit. Sein Bruder war Jord Vrettson, ein angesehener Häuptling. Die Frau des Odil war Steena, eine Tochter des Königs im Gautland, Sefni Langschaft. Steena ging heimlich mit Odil  und als Sefni dies merkte, war er so wütend, dass er Stelle niederfiel und starb.

Odil war ein angesehener Mann. Viele hielten ihn für klug und mit großem Glück bedacht. In jungen Jahren befuhr er Hymir und er­schlug in Bärland einen König inmitten dessen Wachen. Auch im At­lierland schickte er so manchen Vorwitzigen zu Walis Insel. Nach dieser Zeit übernahm er den Hof seines Vaters in Grüntal und stellte das Schwert beiseite. Er hatte einen Sohn, der Einar hieß und vier Töchter. Diese hießen Rigis, Truda, Agna und Halla.

 

Wie Einar aufwuchs

Einar wuchs heran und wurde ein schöner und stattlicher jung Mann, sehr stark und erfahren in den Handwerken des Goldschmiedes und Schiffsbauers. Er war einsichtig und freundlich. Wenn er zu Märkten stolz einherschritt, machten ihm die Frauen schöne Augen. Als Einar vierzehn Sommer zählte, lehrte ihn der Vater mit Schwert und Schild umzugehen. Im siebzehnten Sommer überkam Einar die Un­ruhe und er bat den Vater, ihm zur Hymirfahrt zu verhelfen. Dies war rasch geschehen und er erhielt einen Platz im Schiff seines Onkels Jord, welcher nach dem Bärland fahren wollte, um dort zu heeren. Sie blieben zwei Jahre fort. Einar erntete viel Ruhm und Silber. Alle lernten ihn achten und bei Gesprächen verwarf man nie seinen Ratschlag.

 

Was Höggtrygg unternahm

Nun wohnte weit oben im Hochland ein Gutsbesitzer namens Högg­trygg. Obwohl seine Wirtschaft groß war, hatte er nur karges Land von Vrett Selfnit zugesprochen bekommen. So unternahmen er und seine Männer so manchen Raubzug im Atlierland. Doch ebenbürtige Gegner scheute er häufig. Oft klagte man beim Thing gegen ihn, doch da er reichliche Geschenke verteilte und der Schwager des Jarls der Hochmark war, kam man zu keinem Entschluss gegen ihn. Höggtrygg hatte nun schon lange begehrlich auf das Grüntal ge­schaut und wollte Rache nehmen für den schlechten Kauf, den er ge­tan hatte. Eines Tages sammelte er seine Leute und ging dorthin.

 

Vom Überfall auf das Grüntal

Nachdem Einar fortgezogen war und alle Töchter an ehrenhafte Män­ner gegeben waren, lebten Odil und Steena nur noch mit drei Knech­ten und einigen Mägden im Grüntal. Als Odil nun Höggtrygg heran­ziehen sah, gab er an die Knechte Speere und Knüppel, er selbst aber nahm eine lange Holzaxt. So erwarteten sie Höggtrygg vor dem Hofe. Doch dieser scheute den Kampf und kehrte nach einigen harten Worten um. In der Nacht jedoch schlich er zurück und zündete eine Scheune an. Als Odil und die Knechte aus dem Hause stürzten, wur­den sie von Höggtryggs Männern gefangen und zu Tode gequält. Steena, die Odil zu Hilfe eilen wollte, wurde von Höggtrygg mit dem Schwert erschlagen, nachdem sie ihm ein Holzscheit in das Gesicht geschlagen hatte. Seitdem stand seine Nase schief. Auch den Mägden erging es nicht besser. Als der Vorfall bekannt wurde, meinten alle, daß Höggtrygg nun zu weit gegangen sei und klagten ihn beim Thing an. Doch der bestach die Richter und kam ohne Ver­lust frei. Auch die Ehemänner der Töchter des Odil konnten sich nicht zum Handeln entschließen. Dies ging vor sich um den sechsten Monat nach Einars Auszug nach Bärland.

 

Wie Einar heimkehrte

Im übernächsten Sommer kehrte Jord zurück nach Hemir, seiner Heim­statt im Rundtal und mit ihm Einer, mit großem Ruhm versehen. Jord gab ein großes Fest, zu dem er freigiebig Geschenke unter das Volk verteilte. Hier traf Einar einen Mann namens Yng, der ihm vom Tod seiner Eltern berichtete. Jord bot sofort an, mit Einar zum Grün­tal zu ziehen, doch der lehnte ab. Voll Trauer und Wut ging Einar hinaus und mitten in der Nacht hörte man im nahen Wald den Schrei des Wolfes und das Brechen von Holz. Alle meinten, man solle Einar nicht behelligen, der Schaden am Wald werde nicht zu groß werden.

Am Morgen kehrte Einar zurück, legte seine Waffen an und zog nach Norden. Männer, die später in den Wald gingen und die herausgeris­senen Bäume besahen, meinten, nie von einem stärkeren Wolfspelz gehört zu haben. Und alle hofften, dass es ihm gut ergehen möge.

 

Wie Einar im Grüntal ankam

Höggtygg hatte während des letzten Jahres weitere Männer um sich geschart und ein Schiff gebaut, um über Hymir zu fahren. Als Einar im Grüntal anlangte, hatten sich nahezu sechzig Krieger dort ge­sammelt. Viele machten unten am Ufer das Schiff seetüchtig. Nie­mand war in der Halle, als Einar eintrat. So legte er sich auf die Ehrenbank nieder und schlief ein. Als die Männer von der Reede ka­men, fanden sie ihn und erzürnten über den frechen Burschen. Torg, ein gefürchteter Raufbold, griff die Bank und warf sie mitsamt Einar um. Dabei rief er, wer er, der Fremde, denn sei, dass er sich erfreche, als Küken unter dem Schnabel des Hahnes zu fressen. Er solle sich gefälligst zu den Kindern scheren. Blau vor Wut schlug er nach Ei­ner. Doch dieser nahm die Bank und schlug Torg auf den Kopf, dass der wie tot umfiel. Schon zog mancher die Klinge, um es dem Frem­den heimzuzahlen, da erschien Höggtrygg und gebot der Sache Ein­halt. Nachdem er die Gründe des Geschreis erfahren hatte, ent­schied er, dass dieses eine Sache zwischen Torg und dem Fremden sei, denn er setzte großes Vertrauen in diesen. Man warf Torg in den Bach und befragte ihn zur Sache. Da forderte der Einar zum Ringgang.

 

Wie Einar den Torg erschlug

So rüsteten die Gegner sich, wobei Torg Helm und Kettenhemd an­legte, Einar jedoch nur einen Schild nahm. Einige meinten, dies sei ungerecht und es würde Torg keine Ehre bringen, doch der er­widerte, niemand könne ihm vorschreiben, wie er sich schützen wolle, doch dies sei ohnehin einerlei.

So traten Torg und Einar in den Männerring und begannen, sich zu belauern. Einar deckte mit dem Schild Hals und Schultern, das Schwert hoch erhoben, bereit, über den Schild hinweg zu schlagen. Torg jedoch glaubte, der Bessere zu sein und griff heftig an. Hieb auf Hieb fielen, doch Einar ging zur Seite und schlug über den Schild, dass Torges Kopf weit durch den Raum flog und in einem Ei­mer landete. Danach meinte Höggtrygg, es sei nur gerecht, wenn Einar den Torg ersetzen solle, denn nur dann würde er, Höggtrygg, auf das Wehrgeld verzichten. Einar meinte darauf, die sei zu be­denken und er erbat sich Zeit. Dann legte er heimlich Helm und Ket­tenhemd an und kehrte zu Höggtrygg zurück. Dort sagte er, daß er genau nachgedacht habe und lieber weiterziehen wolle. Das ärgerte jenen sehr. Höggtrygg lief rot an uns rief, ob er denn meine, dass er so ohne weiteres davonkomme. Einar meinte, dies sei schon möglich. Da rief  Höggtrygg seine Männer und hieß sie, Einar zu töten.

 

Wie Einar den Wolfpelz zeigte

Einar lachte und so manchem Klügeren kamen Bedenken. Doch mit blanken Waffen drangen sie trotzdem auf ihn ein. Bevor jedoch der erste Hieb fiel, hob Einar den Kopf rief den Wolf. Danach sank er zusammen und so mancher, der davonkam, bezeugte, den Wolfspelz gesehen zu haben. Dann griff Einar an. Überall war sein Schwert, hieb Wunden, brachte Tod und Schmerz. Männer sanken zu Boden. Auch Einar wurde getroffen, doch jeder Hieb glitt von ihm ab. Dann heulte der Wolf wieder und das Feuer trat in Einars Augen. Mit dem Schrei "Wolfspelz! Wolfspelz!" flohen die  Männer in den Wald. Um­ringt von Toten und Verletzten stand Einar mit zerbrochenem Schwert. Dann warf er Helm und Panzer ab und folgte den Gegnern. Bis spät in der Nacht jagte der Wolf und nur wenige entkamen.

 

Wie Höggtrygg starb

Am Morgen kam Höggtrygg aus dem Wald, vor sich das Ende des Hoch­landes, steil abfallend zum Yggrfjord. Aus dem Wald rief der Wolf, dann trat Einar hervor. Von großer Angst ergriffen lief Höggtrygg am Abgrund entlang, zitternd und zagend. Langsam folgte Einer ihm. Als er keinen Ausweg mehr sah, fiel er auf die Knie und flehte um sein Leben, doch Einar antwortete nicht. Da sprang Höggtryg, erfüllt von blinder Angst, in die Tiefe.

 

Was danach geschah

Weit verbreiteten sich die Geschichten über diesen Kampf und alle meinten, dies sei ein gutes Beispiel für einen Krieger. Einar ver­kaufte Grüntal an Thorir Finnson und ließ sich in Rundtal bei Jord Vrettson nieder. Nach einigen Sommern freite er um Sigrun Thorirs­dottor. Noch viele Abenteuer erlebte er, bevor er zu Wali einging und alle rühmten seine Kampfkunst und Weisheit. Von ihm stammten Engnar und Ostwirg, welche dem Ruhm des Vaters um nichts nachstan­den und große Häuptlinge wurden. Doch hiervon erzählt eine andere Geschichte.

 

Stammtafel des Einar

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