Godhalla

Godhalla, die Götterhalle, liegt am westlichen Rand des Sudvidr, des Südwaldes, zwei Tagesmärsche nördlich von Boras in einer Senke, die etwa einen Tagesmarsch umfasst. Entgegen den sonst übliche Buchen, Eichen und Eschen der Waldgebiete an den Küsten des Hymir wächst hier ausschließlich der Drythentré. Dieser  Namen bedeutet Drythenbaum,  andere Namen sind sind Göttersäule oder Hallatré, Hallenbaum. In den Vorstellungen der Wali sehen diese Bäume wie die Stützpfeiler in der Halle des Wali aus.

Dieser Baum kann mehr als zweitausend Jahre alt werden. Sein Stamm ist oft so dick, dass es zehn Männern braucht ihn zu umfassen und er kann mehr als fünf Schiffslängen hoch werden, wobei die untere Hälfte des Stammes nahezu frei von Ästen ist. Seine Krone besteht aus dicht gestaffelten Zweigen aus denen schmale, eine Handspanne lange Blätter wachsen, die das Regenwasser auffangen und in Richtung des Stammes weiterleiten, wo es dann zu Boden rinnt um das fünf Mannhöhen tief ins Erdreich ragende Wurzelgeflecht zu bewässern. Selbst im Winter fällt von dort kein Schnee herab, so dass dort auch dann erträgliche Temperaturen herrschen und die Pflanzenwelt ungestört weiterwachsen kann.

In dem Tal der Godhalla stehen viele tausend Bäume in Abständen von ungefähr zwanzig Schritten beisammen. Die Kronen der Bäume ragen ineinander, so dass sie den Boden ganz vor dem Sonnenlicht abschirmen. Im Winter, wenn Schnee die Gipfel bedeckt, herrscht eine lange Nacht im Wald. Das herrschende Dämmerlicht führt dazu, dass es auf dem Boden kaum andere Gewächse gibt, mit Ausnahme von Pilzen und niedrig stehenden Farnen. Ansonsten ist er von abgestorbenen Blättern und Zweigen bedeckt. Aus den Gewächsen am Boden tun sich zwei besonders hervor. Diese sind der Gloðstapi, der Glutfarn und der Glæasvamp, der Leuchtschwamm. Beide sind bei dem herrschenden Dämmerlicht unscheinbar und entfalten ihre Pracht erst, wenn es Nacht geworden ist. Der Glutfarn erzeugt nun ein rötliches Licht, während der Leuchtpilz ein grünliches entwickelt. Nun zeigt es sich, dass der Pilz sehr klein ist und bevorzugt auf den Stämmen der Drythenbäume wächst, während der Farn den Boden bedeckt.  So erheben sich des Nachts rötlich glühenden Säulen aus einer grünlich leuchtenden Fläche. Das Licht der Pflanzen reicht aus, eine ähnliche Helligkeit zu entwickeln wie das verdeckte Sonnenlicht am Tag. Wenn ein Wanderer oder ein Tier einen der Farne berührt, so gibt dieser für kurze Zeit ein helleres Aufleuchten als üblich ab.

Die Kronen der Bäume werden von Scharen verschiedener Vögel bewohnt, die des Nachts dort schlafen und tagsüber nach Insekten oder Samen der Bäume suchen. Auf dem Boden selber lebt eine Vielzahl zumeist kleiner Tiere. Größere Tiere sind der Humhafr, der Dämmerbock, der etwa einen Schritt hoch und von dunkelgrauer Farbe ist. Gejagt wird er von der Grárkat, dem Grauluchs, und von aus dem Süden zugewanderten Grauwölfen.

Die Wali betrachten dieses Gebiet mit Ehrfurcht, denn nirgendwo auf der Welt haben sie etwas Vergleichbares gefunden. Für sie ist dieses Tal das Sinnbild für Veislaheim, Walis Halle, in der sie später unsterblich bei den Göttern sitzen wollen. Als weiteres Zeichen erscheint den Wali der Umstand, dass, obwohl der Wald immer dämmrig ist, dort niemals Rukr gesehen wurden. Diese scheinen das Gebiet vollständig zu meiden. So ist die Godhalla für die Wali ein geweihter und mystischer Ort, den sie zwar gerne, aber immer mit Scheu betreten. Die üblichen Handelswege umgehen den Wald jedoch.

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