Wie aus Eilif die Winterherrin wurde

Unter den Göttern gab es eine Frau namens Eilif. Sie war die Gemahlin des niederen Gottes Radswidr. Sie wohnte zusammen mit ihren Gemahl weit im Norden, auf einem Land, das immer von Eis bedeckt war, weil Radswidr streng und unwirsch war und die Nähe von Menschen mied. Denn er meinte, Menschen seien nicht mehr als Getier und ihr Lärmen und Treiben sei nichts anderes als das Gehabe einer Herde, in der sich die Tiere vermehrten und deswegen ihre Kämpfe austrugen. Doch obwohl Radswidr sich kaum mit Eilif abgab, liebte sie ihn mit großer Leidenschaft und umsorgte ihn, wo sie konnte.

Dann kam es zu dem Götterthing, im Laufe dessen den Niederen Göttern das Recht auf Waffen zugesprochen wurde. Danach gab Radswidr das Schwert Svidar bei dem Schmied Windalf in Auftrag. So kam es zu den Ereignissen, infolge derer Radswidr den Windalf um dessen Gier willen erschlug und das verfluchte Schwert Svidar die Seele des Radswidr trank und aus ihm den Entwirker, den Yfirgera, schuf.

Während jedoch Lifur, der Freund des Radswidr, sich auf die Suche nach einem Mittel zur Wiederkehr des Radswidr machte, hatte Eilif nicht die Kraft und den Mut, in feindliche Länder und Gebiete zu gehen, um ihrem Gatten zurück zu bekommen. So sank die Trauer um ihren Verlust in ihr Herz und nichts konnte sie aufmuntern. Und mit jedem Sommer, der nun verging verstärkten sich die Trauer und die Vorwürfe, dies sie sich selber wegen ihres Versagens machte, bis ihre Herz bitter kalt wurde und sie eines Tages nichts mehr fühlte. Da begann diese Kälte sich auf ihre Umgebung auszuwirken und alles zu Eis erstarren zu lassen, bis selbst die Feuer in der Halle Walis dieser Kälte nicht mehr Herr werden konnten und alles drohte, unter Eis zu versinken.

Da wiesen die Hohen Götter sie fort aus den Hallen und geboten ihre, niemals lange an einem Ort zu bleiben, damit nicht die ganze Welt erfriere. Und die beiden Orte, zwischen denen sie wandern sollte waren die Halle ihres Gemahls und ein Gipfel in dem höchsten Gebirge, weit ab von Menschen. Und dort errichtete ihr Alswidr eine Halle, in der sie rasten sollte und bestimmte Eisriesen dazu, diese zu bewachen. Seit dem wandert Eilif einmal im Jahr von ihrer Halle im Norden zu der in dem Gebirge und zurück. Aber dort wo sie einher geht, kommt der Winter mit Schnee und Eis in weitem Umkreis über das Land. Und er geht erst wieder, wenn sie weitergewandert ist. Aber wer sich ihr und ihrer unbarmherzige Eiseskälte nähert, so wird gesagt, wird durch diese Kälte in einen Eisriesen verwandelt, der ihr forthin dienen muss. Und so entsteht der Winter durch die Trauer von Eilif um den Tod und die Verwandlung des Radswidr.

Die Menschen aber nennen Eilif die Vetrdrætning, die Winterherrin, da sie dachten, sie sei dazu bestimmt, den Winter in das Land zu tragen um die Menschen zu prüfen. Aber in Wirklichkeit wandert Eilif umher, um nicht die ganze Welt durch ihre Trauer dauerhaft unter Eis zu begraben.

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