Reisen
Wali reisen wegen einer Vielzahl an Gründen: um zu Handeln, um zu Kämpfen, um zu Feiern, um Verwandte zu treffen. Wenn möglich bevorzugen Wali es, mit dem Boot über Flüsse, Seen oder das Meer zu reisen. Dies ist viel sicherer und bequemer als die Reisen über Land. Dies gilt im Winter ebenso, nur dass dann keine schwimmenden Schiffe, sondern Eissegler benutzt werden.
Die Schwierigkeit bei Überlandreisen in Waligoi ist, dass es keine Wege gibt und dass die Landschaft sich aufgrund der harten Witterung in kurzen Zeiträumen stark ändert und es daher kaum fest Wegpunkte gibt. Man ist entweder zu Fuß oder auf einem Reittier unterwegs, wobei der Raum für Gepäck immer arg begrenzt ist. Wagen und Schlitten kommen nur in der Nähe von Ortschaften zum Einsatz. Will man größere Warenmengen bewegen, muss man Lasttiere einsetzten, die, zumindest im Winter, auch noch ihr eigene Futter und Wasser mitschleppen müssen. In dichter besiedelten Gegenden, dort, wo Dörfer und Städte näher beieinander liegen, haben oftmals frühere Reisende Trampelpfade durch die Wildnis zurückgelassen, denen man auf eigene Gefahr folgen kann. Es ist jedoch schon vorgekommen, dass solche Pfade mitten im einem Lager von Friedlosen endeten. In jeder Hinsicht.
Trifft man unterwegs auf Flüsse, muss man nach Furten suchen, damit man sie überqueren kann. Dies bedeutet oftmals, dass man einen tagelangen Umweg in kauf nehmen muss. Sind sie nicht besonders reißend, kann man auch versuchen, hinüber zu schwimmen.
Eine besondere Gefahr bei Überlandreisen sind die Rukr, die auch heute noch, fernab der Siedlungen, im Inneren Waligois umherstreifen. So manche Reisegruppe ist durch sie auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
Das übliche Reittier ist das Thrumar, dass, neben seiner Kraft und Ausdauer, wegen seiner Wildheit auch ein guter Verbündeter ist, wenn man dummerweise in eine Horde Rukr gerät. Thrumari sind die letzten Überbleibsel aus den Tagen der Wanderung und werden von den Wali zwar als Reit- und Tragtiere, jedoch nicht als Zuchtvieh gehalten. In den letzten Jahren sind Pferde in Waligoi modern geworden, jedoch sind sie nicht so gut für Überlandreisen geeignet, wie Thrumari. Ein Pferd kann jedoch gegessen werden, wenn man es nicht mehr braucht.
Will man tatsächlich über Land reisen, ist es angeraten, davon nicht jedem zu erzählen und sowohl seine Lager als auch seine Wege mit Bedacht zu wählen. Denn in den abgelegenen Gegenden gibt es sowohl Räuber als auch Rukr und beide halten immer Ausschau nach Beute.
Eine weitere Gefahr ist es, sich zu verirren. Da Landmarken nur spärlich vorhanden sind, kann es sein, dass man die nächste Marke nur knapp verpasst und dann tagelang durch die Gegend wandern muss, bis man wieder auf dem richtigen Weg ist. Einer alten Geschichte zufolge ist Oleborg entstanden, weil eine Reisegruppe keine Lust mehr hatte, nach dem Weg zu suchen. Stattdessen haben sie sich dort angesiedelt, wo sie gerade waren.
Eine besondere Herausforderung stellten Reisen durch das Tönnyr-Gebirge dar. Zwar gibt es zwei oft begangene und von Festungen bewachte Pässe, aber selbst dort kann einem ein Unglück wiederfahren. Nicht selten werden Handelszüge von Männern oder Rukr überfallen, die gelegentlich in den höher gelegenen Seitentälern ihre Lager haben. Andere, kleiner Pässe sind für Reisende noch viel gefährlicher. Im Winter sind alle Pässe unpassierbar.
Sümpfe und Eisfelder stellen für die Wali keine Herausforderung dar. Sie sind klug genug, sie zu umgehen.
Wer nicht unbedingt muss, bleibt im Winter zuhause und wartet bis zur Schneeschmelze. Wer dennoch reisen muss, wird dies mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überleben.
Wenn es einem gelingt, sein Ziel, zumeist eine Siedlung, zu erreichen, kann man sich der Gastfreundschaft der dortigen Bewohner gewiss sein. Zwar sind sie vorsichtig genug, immer ihre Waffen bei der Hand zu haben, aber sie sind ebenso neugierig, Neuigkeiten und Geschichten zu erfahren. So betrachten sie die Unterbringung als Preis dafür, eine Nacht lang gut unterhalten zu werden.
Allgemein gilt, dass man nicht alleine reisen soll. Es gibt so viele Möglichkeiten für Unfälle, Schwierigkeiten und Hindernisse, die man in einer Gruppe leicht bewältigen kann, einen Einzelnen jedoch umbringen oder zur Umkehr zwingen. Dabei gilt auch: Trifft man einen einzelnen Reisenden, ist Vorsicht angeraten!
