Wali
Wali, der früher auch Waljar genannt wurde, ist der Oberste der walischen Götter. Er wird der Ratkluge genannt. Durch sein Wirken, seine Weisheit und seine List wird diese Welt vor dem Übel beschützt. Auch sagt er Alswidr wie Dinge zu schaffen seien. Durch seine Weisheit und sein Wort entscheidet er über den Streit zwischen anderen. Er ist es, der die Runen und die Fähigkeit, aus ihnen die Zeichen zu lesen in die Welt gebracht hat. Der Hochsitz des Wali heißt Sendár, der Sender. Von ihm aus kann er das gesamte Allheim überblicken. Seine Frau ist Asa. Wali wohnt mit den anderen Göttern und den unsterblichen Seelen in Veislaheim, seiner Halle. Sein Baum ist die Eiche, die über Jahrhunderte wächst. Unter ihr halten die Menschen Gericht und dort werden die Tiere für die Götter geopfert.
Andere Namen von Wali sind Waljar, Runfoeryr, Rettariass und Sendár. An Beinamen gibt man ihm z.B. Himmelsvater, Beschirmer, Schlachtenlenker oder Schildträger.
Und das besagt das walische Runengedicht:
Der Götter Oberster und der Welten Schöpfer,
gibt Wali fruchtbares Leben und Glück dem Eifrigen.
Segne mit dieser Rune, was von Feld und Vieh
füllt des Tages lange Tafel und das Glück wird dir winken.
Wali wird oft von einem weißen, rotäugigen Skar-Wolf begleitet, den er Hrisgrisnir nennt. Vielen erscheint es, als ob Wali die Sprache des Wolfes versteht. Hrisgrinir wandert oft durch die Welt und beobachtet die Schlachten der Wali. Von diesen berichtet er dann dem Gott. Hrisgrisnir wird als Herr der Wölfe angesehen.
Unter dem Hochsitz des Wali hausen zwei Mäuse. Wali füttert sie mit Krumen von seinem Mal und zum Dank schleichen sie durch die Welt und berichten bei ihrer Rückkehr von Geheimnissen, Verschwörungen und Verrat. Eine ist schwarz und heißt Hviska, Flüsterer. Die andere ist braun und heißt Hlera, Lauscher. Damit die Mäuse nicht auch die Götter belauschen, lebt eine Katze namens Reki in der Halle, die dafür sorgt, dass die Mäuse nicht frei in der Halle herum streifen können.
Oftmals reitet Wali aus und reist ungesehen über lange Zeit durch die Welt. Dabei folgt er den alten Wanderwegen der Waljar. Er benutzt als Reittier für diese Reisen und die Schlacht ein Thrumar, dessen Atem wie Feuer ist und das vier Hörner hat, die einen Schritt lang sind. Es heißt Gloðhorn, das Gluthorn. Nichts kann dem Ansturm von Gloðhorn wiederstehen und des Nachts eilt es gelegentlich über den Himmel, um die Feinde zurück in das Weltall zu jagen.
Wali trägt zwei Armreifen, der am linken Arm ist von Silber und heißt Serkr und der am rechten Arm ist von Gold und heißt Hrauð. Sie verwandeln sich, wenn man sie gegeneinander schlägt, in eine unüberwindliche Rüstung, die Wali schützt und gleißendes Licht ausstrahlt.
Wali verfügt über einen besonderen Schild, der eine goldene Seite hat. Der Schild wird Ifrodull genannt. Mit diesem Schild reitet Wali in die Schlacht und bewacht mit ihm die Grenzen zum Weltenraum. Des Tages hängt der Schild an der rechten Seite von Gloðhorn und ist somit der Welt zugewandt, in der Nacht hängt er von der Welt abgewandt an der linken Seite, so dass nur ein Schimmer des Glanzes zu sehen ist, der manchmal von dem Körper des Thrumar ganz oder teilweise verdeckt wird.
In Kampf trägt Wali ein Schwert, dass Sonslimir genannt wird. Es wurde ihm von Alswidr gefertigt. Wenn es geschwungen wird, so sendet es einen Lichtstrahl aus, der Feinde verbrennen und ins Nichts werfen kann. Es ist aber nicht so mächtig, wie das erste Schwert, Svidar.
Seine Frau Asa webte ihm einst den Umhang Glisvernd aus seltenen Materialien. Trägt Wali ihn, so kann er sich in verschiedene Tiere verwandeln, bevorzugt in einen Wolf oder einen Adler. So bereist er unerkannt die Welt. Auch nimmt er gelegentlich menschliche Formen an und erfährt so vieles über das Leben der Menschen., während er unter ihnen umher reist.
Wali liebt es, unerkannt in der Welt herum zu wandern. Dazu nimmt er die Gestalten von Menschen oder Tieren an und reist durch die Gegenden, die das walische Volk heute bewohnt oder die sie früher durchwandert haben. Er beobachtet alles, auf das er trifft, lauscht den Gesprächen von Menschen und Tieren und späht nach Gefahren für die Welt und die Wali. Reist er in der Wildnis, so nimmt er die Form eines Wolfe oder Thrumar an, reist er unter Menschen, so nimmt er die Gestalt eines alten Mannes an, dem kaum jemand Beachtung schenkt. Will er schnell zu einem anderen Ort, so fliegt er als Falke oder Tönnyr-Aar zwischen den Wolken. Im Meer tummelt er sich als Orkr-Wal. Auf diesen Reisen greift er nicht in das Schicksal der Menschen, die er trifft ein, denn nach dem Willen der Götter sollen Menschen alleine über ihr eigenes Schicksal entscheiden, um zu zeigen, dass sie würdig für Walis Halle sind.
Wali nimmt verschiedene Aufgaben wahr. Zum einen ist er der Gott der Weisheit und Dichtkunst, der Runen und der Weissagung. Weiterhin wird er als der Gott des Rechts, der Gerechtigkeit und des Schutzes von Unschuldigen und Unbescholtenen bekannt. Außerdem wird er als Gott des Himmels angesehen, denn sein Schild ist die Sonne, die Leben und Wachstum gewährleistet.
Wali spricht Recht über Götter, Menschen und andere Wesen und seine Urteile sind stets gerecht. Nur über die Seelen der Toten urteilt er nicht. Daher wird er von den Wali um Gerechtigkeit in weltlichen Dingen angerufen.
Siehe auch:
- Wali und der Riese Skekfoeryr
- Walis Runensuche
- Walisches Schicksalslied
