Heilkunde

Die Wali wissen, dass die Götter aufgrund des Verhaltens der Menschen darüber bestimmen, ob sie gesund oder krank sind. Gleichzeitig wissen sie jedoch, dass sie sich nicht nur auf die Götter verlassen dürfen. Vielmehr verlangen die Götter von den Wali, dass sie sich zuerst einmal selbst helfen.

So haben sich im Lauf der walischen Geschichte viele Verfahren entwickelt, mit denen heute die Wali für ihre Gesundheit sorgen. Die walische Heilkunst zeigt sich in verschiedenen Ausprägungen, die entweder von einem selbst oder von erfahrenen Heilkundige erbracht werden.

 

Erste Pflicht: Persönliche Sauberkeit

Jeder Wali lernt schon früh, dass man seltener von Krankheiten heimgesucht wird, wenn man darauf achtet, sauber zu sein und möglichst keine Läuse und Flöhe am Körper zu haben. So wäscht sich der Wali mindestens einmal in der Woche mit warmem Wasser und kämmt sich anschließend das gewaschene Haar mit Läusekämmen. Zu Reinigung von Haut und Haar wird Seifenkraut verwendet. Andere Mittel, um sich sauber zu halten sind:

  • Kämme und Bürsten
  • Zahnstocher
  • Schaber und Rasiermesser
  • Pinzetten
  • Seifenkraut oder, für reichere Wali, Seife
  • Lehm oder Ton, um sich die Haare zu waschen
  • Weidenästchen zur Zahnpflege

Wenn sich eine Gelegenheit bietet, in warmen Wasser, entweder in Bottichen oder waren Quellen, zu baden, nimmt dies jeder Wali gerne wahr. Nur in kaltem Wasser wird er dies nicht freiwillig tun, da dies oftmals mit Frostschäden einhergeht.

Befindet man sich auf See, ist der Luxus des Waschens für die Besatzungen von Schiffen kaum möglich. Allerdings scheint es den Blutsaugern bei all dem Wind und kaltem Wasser nicht zu gefallen und sie siechen dahin.

Als vorbeugendes Mittel tragen die Menschen oftmals kleine Holztafeln mit sich, die mit Runen als Schutz gegen Krankheit versehen sind.

Daraus hat ein Mann namens Erik Osvaldson eine Behandlungsmethode gegen Läuse und Flöhe ersonnen. Ist jemand von diesen befallen, so wird er in eine Tonne mit kaltem Wasser gesteckt, wobei er vier Mal mindestens für einhundert Herzschläge ganz untergetaucht werden muss. Anschließend wird er mit Met abgerieben. Nach Eriks Bekunden haben danach acht von zehn Wali keine Flöhe oder Läuse mehr. Eine andere Methode gegen Flöhe ist es, sich jedwedes Haar kurz zu scheren und sich hernach für eine Stunde in eine Räucherhütte zu setzen.

Neben der Sauberkeit des Körpers sorgen die Wali auch für die Sauberkeit der Kleidung und der Wohnhäuser. Aborte werden abseits von Gewässer und Wohnstätten in die Erde gegraben und später wieder sorgfältig zugeschüttet.

Wer absichtlich Wasser, Häuser oder andere Wali beschmutzt, kann vor einem Thing zu einer Mannbuße verurteilt werden, sofern er die Entdeckung der Tat überhaupt überlebt.

 

Kenntnis von  Krankheiten

Neben alltäglichen Verletzungen, die durch die Arbeit, bei Kämpfen oder durch Unvorsichtigkeit, besonders nach reichlichem Met-Genuss, auftreten, kommt zusätzlich eine Reihe von Krankheiten vor, für die es mehr oder weniger erfolgreiche Arten der Behandlung gibt. Zu den häufigsten gehören:

  • Blindheit (z.B. nach dem Genuss schlechten Mets)
  • Dünnfluss
  • Frostbeulen und erfrorene Zehen oder Finger
  • Gliederreißen
  • Husten
  • Kaltfieber
  • Kindbettfieber
  • Kopfweh (oft durch den Genuss schlechten Mets verursacht)
  • Nesselfieber
  • Rothusten,
  • Würmer, Läuse und Flöhe
  • Glieder- und Rückenreißen
  • Gicht
  • Gelbschorf
  • Zahnfäule
  • usw.

Manchmal bringen auch Ausländer Krankheiten mit, die den Wali bislang unbekannt waren. Aber dank des kalten Klimas können diese sich kaum ausbreiten.

 

Häufigste Todesursachen

Wie bei allen Menschen endet auch das Leben eines Wali auf mehr oder weniger abrupte Weise. Hier sind in umgekehrter Reihenfolge die zehn häufigsten Todesarten für Wali aufgelistet:

10. Schlaganfälle

   9. Zweikämpfe

   8. Hunger

   7. Streiche unter Wali

   6. Schiffsreisen

   5. Schlägereien unter Volltrunkenen

   4. Kälte

   3. Überlandreisen durch die Wildnis

   2. Met

   1. Kriege

 

Heilmittel

Gegen Entzündungen und zur Reinhaltung von Wunden wird zumeist ein Sud aus Lauch und Knoblauch in Met oder Eismet verwendet. Hat man nichts anderes, verwenden die Heilkundigen auch Salzwasser, das aus großen Mengen Salz und reinem Wasser hergestellt wird. Obwohl dies schmerzhaft ist, verhindert es die Entzündung von Wunden zuverlässig. Daneben wird eine Wunde oft mit Honig eingerieben.

Natürlich wird Met für alle Krankheiten als Heilmittel angesehen. Dabei herrscht der Glaube vor, dass er umso besser wirkt, je mehr man zu sich nimmt. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl verschiedener Kräuter und Heilmittel, z.B.:

  • Gegen Husten, auch den Rothusten wird entweder ein Tee aus Andorn oder Met, in dem Andorn eingelegt wurde, verwendet.
  • Blutwurz wird als Tee oder Sud zur Blutstillung verwendet.
  • Waldkraut, auch Leberkraut genannt, wird als Tee gegen Kopfschmerzen verabreicht.
  • Rosenwurz wird als Tee oder als Extrakt in Met verabreicht, um Genesende zu kräftigen.
  • Hagebutte wird als Tee oder als Pulver der getrockneten Früchte verabreicht, um gegen Zahnfäule zu helfen.
  • Pfefferminze wird als Tee oder als frische Blätter gegen Krankheiten des Magens oder Darms verabreicht.
  • Kresse wird gegen Verstopfung verwendet.
  • Ringelblumentee, -sud oder -öl wird bei inneren oder äußeren Entzündungen verwendet.
  • Fenchel hilft gegen Kopf- und Bauchschmerzen.
  • Sauerampfer wird als Tee oder Gemüse bei Magenkrankheiten und Mundfäule verwendet.
  • Schnittlauch hilft bei Verdauungsproblemen.
  • Wiesenknopf wird gegen Husten und Magenschmerzen eingesetzt.
  • Zerriebener Blauschimmel wird bei Wunden verwendet, die begonnen haben, zu schwären.
  • Gegen Durchfall wird pulverisierte Holzkohle mit Wasser oder Met verabreicht.

 

Behandlungsverfahren

Die magische Behandlung von Krankheiten und Wunden wird gemeinhin von den Wali abgelehnt. Sie verlassen sich entweder auf ihre Selbstheilungskraft oder die Erfahrung von Menschen, die die Behandlung und Heilung zu ihrer Aufgabe gemacht haben. Diese verfügen zumeist über umfassende Kenntnis von heimischen Kräutern und ihren Wirkungen.

An Behandlungsmethoden beherrschten sie oftmals:

  • Amputation
  • Anlegen von Verbänden
  • Eingriffe in den Körper
  • Einrenken von Glieder und dem Rücken
  • Erkennen der Art der Erkrankung
  • Erste Hilfe
  • Geburtshilfe
  • Herausschneiden von Fremdkörpern
  • Herstellung von Heilmitteln
  • Reinigung von Wunden
  • Richten von gebrochenen Knochen
  • Salben und Massieren
  • Stillen von Blutungen
  • Wunden verschließen

Wenn unbekannte oder gefährliche Krankheiten auftreten, so sorgen die Heilkundigen dafür, dass die Kranken nicht in Berührung mit den Gesunden kommen, damit sich die Krankheit nicht ausbreitet.

Wenn es erforderlich wird, können erfahrene Heiler auch Eingriffe an Wali durchführen. Allerdings kommt dies eher selten vor. Zumeist werden Eingriffe an verwundeten Wali durchgeführt, um die Folgen ihrer Wunden zu beseitigen. Für diesen Zweck lassen die Heiler sich von Schmieden Werkzeuge wie scharfe Messer, Pinzetten, Sägen, Nadeln oder Zangen anfertigen. Oft wird danach glühendes Eisen verwendet, um die Wunde zu reinigen und zu verschließen. Es gibt sogar Berichte über erfolgreiche Eingriffe an Bauchwunden, in denen es gelang, herausquellende Gedärme wieder zurück in die Bauchwunde zu bringen und diese zu verschließen. Solche erfolgreichen Eingriffe werden hernach wie Heldentaten angesehen und der Heiler gewinnt dadurch an Ansehen und oftmals auch Kundschaft und damit Reichtum.

 

Erste Hilfe im Kampf

Da der Wali ein kriegerischer Mensch ist und in einer Gegend lebt, die ihm oftmals Kämpfe abverlangt, stellen Verwundungen jeder Art die Hauptarbeit von Heilkundigen dar.

Um zu gewährleisten, dass ein Heilkundiger sich überhaupt um einen Verletzten kümmern kann, beherrscht jeder Krieger einige Methoden, um dafür zu sorgen, dass er oder seine Kameraden das Ende der Schlacht erleben. Denn erst dann können sich Heilkundige um die Verwundeten kümmern. Dazu gehören das Stillen von Blutungen, das Abbinden von stark blutenden Wunden an Armen oder Beinen und der Schutz der Verletzten vor weiteren Wunden, indem z.B. Schilde über den Verwundeten geworfen werden oder diese zur Seite gezogen werden.

© 2019 Walische Webseite