Jarkhanlose Zeit
Die sogenannte „Jarkhanlose Zeit“ umfasst einen Zeitraum von einundsechzig Sommern. Sie wurde eingeleitet mit der Ermordung des Jarkhan Agnar im Sommer 2661 (1019 nKr.) und begann ein Sommer später, als sein unmündiger Sohn Weor, der zu dem Zeitpunkt letzte männliche Nachkomme der Byrjun-Sippe, sowie sein Vormund Heimir ebenfalls ermordet wurden. Es stellte sich heraus, dass alle drei vergiftet wurden. Wer tatsächlich dafür verantwortlich war, ist bis heute ungeklärt. Es gibt jedoch starke Hinweise, dass die Verantwortlichen die Töframenn und mit ihnen der Eldurgefja der Rukr war. Ihr Bestreben schien es gewesen zu sein, einen von ihn kontrollierten von Gryggr, keinen Jarkhan akzeptieren wollten, der nicht aus der Byrjun-Sippe stammte. So blieben die Wali erstens jarkhan- und zweitens ratslos, denn niemand sah eine Möglichkeit, das Dilemma des fehlenden männlichen Erben zu lösen. Lediglich Gryggr schien zuversichtlich, wollte jedoch keine Angaben machen. Dann zog er sich, nachdem er das Einnher aufforderte, die Einheit Waligois zu schützen, in die Einsamkeit zurück und überließ die Wali der nach seinen Aussagen vorläufigen Führung der drei Werire der zu der Zeit starken Stämme. Diese waren der Atlier Eirik, der Gaute Elfse und der Hede Egil.
Diese Werire erledigten ihre Aufgabe hervorragend. Sie trugen maßgeblich zur damaligen Expansion des Volkes bei und führten das Volk in den ersten überregionalen Kriegen der Welt. Auch als Waligoi von den Wolsi erobert wurde, taten sie ihre Pflicht und organisierten den Wiederstand bzw. die Auswanderung freiheitsliebender Wali in neu entdeckte Länder jenseits des Ozeans. Alle drei Werire starben recht bald unter erinnerungswürdigen Umständen und werden auch heute noch von den Wali verehrt.
Im Sommer 2742 (1100 n.Kr.) taucht Gryggr plötzlich wieder auf und behauptet, einen männlichen Nachkommen der Byrjun-Sippe mithilfe der Götter der Wali hervorbringen zu können. Mittels einer beispiellosen rituellen Anbetung an die Götter der Wali, gepaart mit der Sammlung eines Großteils der mystischer Energie der Welt, gelang es ihm, die Seelen der drei großen Werire Eirik, Elfse und Egil aus Walis Halle hervorzurufen und durch die Göttin Thekkja in den Körper des neugeborenen Knaben binden zu lassen, der von nun an Edbald genannt wurde. Durch ein Zeichen der Götter wurde verkündet, dieser Knabe sei nun der einzige männliche Erbe der Byrjun-Sippe. Der Ort, an dem dieses Ritual stattfand, war Yggrgard. Infolge des Entzuges von Energie aus der Welt brach eine Zeit an, die heute außerhalb Waligois als der „Lange Winter“ bezeichnet wird. Auf der ganzen Welt wurde das Wetter unberechenbarer und kälter. Ernten misslangen und Unfrieden brach aus. Dies führte zu ausufernden Kriegen und in deren Folge zum Untergang vieler der alten Reiche auf der Welt. Eis bildete sich auf dem endlosen Ozean und beendete für viele Jahre die Reisen zwischen den drei Welten. Erst nach etwa fünfzehn Jahren begannen die Verhältnisse sich wieder zu normalisieren. Nach zwanzig Jahren konnte der Verkehr zwischen den drei Welten wieder aufgenommen werden. Dieser Zeitpunkt wird allgemein als das „Ende des Langen Winters“ bezeichnet. Im gleichen Jahr wurde dem nun volljährigen Edbald die Wolfskrone von Gryggr überreicht. Damit endete auch die Jarkhanlose Zeit. Eine ganze Reihe der noch heute lebenden Wali kamen in den zwanzig Jahren zwischen der Belebung des Edbald und seiner Machtergreifung zur Welt.
In den Zeitraum der Jarkhanlosen Zeit fielen eine Reihe von die Welt umspannenden Kriegen, außerdem noch der Vierte und Fünfte Rukr-Krieg sowie die Zeit der Besatzung durch die Wolsi. Die Ordnung der Wali brach aufgrund des Wirkens des Einnhers zwar nie vollständig zusammen, aber es boten sich für viele verrufene oder friedlose Gestalten Möglichkeiten, sich Macht und Reichtum durch üble Taten anzueignen und rechtschaffenen Leuten das Leben schwer zu machen. In Waligoi alleine gab es über fünfzig „Reiche“, deren Herrscher sich entweder Jarl, König, Khan oder sogar Jarkhan nannten und teils über beachtliche Heere und Ländereien in den inneren Zonen des Landes oder auf abgelegenen Inseln verfügten. Über diese Zeit gibt es zwei Sagen, die was Wirken dieser Leute beschrieben. Die eine ist die „Saga von den Seekönigen“ und die andere die „Saga der Grenzreiche“.
Die tatsächlichen und wichtigsten Ereignisse während dieser Zeit werden umfassend vor allem in der „Saga von der Neuzeit“, der Nýrtið Saga beschrieben.
