Wali und der Riese Spekfoeryr

Wali ist der klügste und weiseste der Götter. Da dies den Feinden der Götter als das größte Übel erschien, sannen sie nach einem Weg, die Weisheit des Wali zu überbieten. Unter den Daudurja war einer, in der Gestalt eines Drachen, namens Spekfyrir, der trug einen kleinen Teil des Urfeuers in sich und erlangte dadurch an Weisheit und Wissen ohnegleichen. So durchdrungen war der Drache von dem Urfeuer, dass jede Schuppe und jeder Speicheltropfen denen, die sie in ihren Besitz bringen konnten, einen kleinen Teil der Weisheit gaben. Doch trotz seiner Weisheit war Spekfyrir durchdrungen von dem Wahnsinn und der Bosheit, die jedem der Daudurja eigen war. So wurde Spekfyrir ausgewählt, sich mit Wali im Wettstreit zu messen um festzustellen, ob er ihm gewachsen war.

Als Wali eines Tages auf eine seiner Wanderungen durch Waligoi und die alten Wanderungsgebiete ihrer Vorfahren war, stellt sich ihm im Süden des Landes, dort, wo heute das Myrkjurd liegt, der Drache Spekfyrir entgegen und forderte ihm zum Wettstreit heraus. Wer ihn verlöre, sollte sein Leben dem andern überlassen. Wali, der zuvor von den Mäusen Hviska und Hlera von den Absichten der Daudurja gehört hatte, ließ sich auf den Wettstreit ein.

So stellten sie einander viele Rätsel, die sie jedoch jedes Mal errieten. Nach einiger Zeit ging Wali auf, dass keiner von beiden den Wettkampf auf diese Weise gewinnen würde. Daher sann er auf eine andere Möglichkeit. Er wusste, dass es Worte gab, die eine Daudurja wegen seines Wahnsinns nicht aussprechen konnte, deshalb suchte er nach einem Rätsel, das eines dieser Worte betraf. Dann sprach er:

„Man kann's nicht hör'n, man kann's nicht seh'n,

es tut oft weh und ist doch schön,

Es ist kein Gold, doch es macht reich,

ein Herz aus Stein wird davon weich,

es ist kein Feuer, aber es brennt,

sag mir, wie man das nennt!“

Und obwohl dies kein schwieriges Rätsel war und Spekfyrir die Antwort wusste, konnte er die Antwort nicht aussprechen, so sehr er sich auch mühte.

Da meinte Wali, er habe gewonnen. Spekfyrir aber meinte dazu, dass dies kein ehrenhafter Kampf gewesen sei. Doch Wali lachte und meinte, davon sei nie die Rede gewesen.

Dann zog er sein Schwert und schlug dem Drachen das Haupt ab.

Aus dem Schädel des Spekfyrir fertigte er sich eine mit Gold eingefasste Trinkschale, die er ebenfalls Spekfyrir nannte. Und jedes Mal, wenn er daraus Met trinkt, nimmt er an Weisheit zu. Und so trinkt Wali oftmals aus dem Schädel, wenn er in Beratungen und zu Gericht sitzt.

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