Kriegslager

Ein Kriegslager ist für unerfahrene Krieger ein schwieriger Ort. Es gibt viele Aufgaben und Gepflogenheiten, die man berücksichtigen muss, um als Krieger unter den anderen anerkannt zu werden.

In einem großen Kriegslager gibt es zwei Gruppen von Personen. Die eine ist die der Krieger, die hautsächlich dafür zuständig sind, zu Kämpfen und die Sicherheit des Lagers zu gewährleisten. Sie beschäftigen sich nur in Ausnahmefällen mit anderen Dingen. Die andere Gruppe ist die der Hilfskräfte, die zumeist aus Unfreien, manchmal jedoch auch aus freiwilligen Jugendlichen bestehen. Ihnen obliegt die Aufgabe, das Lager sauber und bewohnbar zu halten und alle anfallenden Arbeiten zu erledigen.

Das Lager

Ein Kriegslager besteht in der Regel aus einem großen Platz, an dessen Rand sich die Unterkünfte der Anführer befinden. Hinter ihnen gruppieren sich die Hütten oder Zelte ihrer Männer. Zwischen ihnen verteilt sind die Lagerplätze für Waren und Verpflegung sowie die Feuerstellen, an denen die Mahlzeiten von Unfreien zubereitet werden.

Je nachdem, wie lange das Lager stehen soll, wird es mit einem flachen Erdwall mit notdürftigen Palisaden oder einem Verhau aus dornigem Buschwerk umgeben. Will man nur über Nacht lagern, macht man sich nicht die Mühe ein festes Lager zu errichten, sondern schläft an Feuern unter den eigenen Umhängen.

Unterkünfte

Für Kriegslager werden als Unterkünfte entweder mitgebrachte Zelte oder einfache Hütten errichtet. Auch hier gilt: Je angesehener und reicher man ist, desto bequemer und größer ist die Unterkunft. Ob allerdings auch Hütten gebaut werden, hängt davon ab, ob genug Unfreie für diese Aufgabe und genug Baumaterialien in der Gegend vorhanden sind.

Das übliche Zelt besteht aus einem hölzernen Gerüst, das leicht ist, und platzsparend auf Lasttieren geladen werden kann. Es wird mit Bahnen aus Segeltuch umgeben, um sein Inneres auch bei Regen trocken zu halten. So bleibt es innerhalb des Zeltes auch bei Wind und Regen einigermaßen warm. Im Winter werden vor den Zelten kleine Feuer entzündet, um es warm zu halten. IN solchen Zelten können bis zu vier Männer mit ihrer Habe unterkommen. Sollen sie dort nur schlafen, passen auch acht von ihnen hinein.

Soll das Lager länger bestehen, zum Beispiel bei einer Belagerung, so lassen sich die Edlen oftmals einfache Hütten bauen, die mehr Kopfhöhe und mehr Platz bieten und eigene Feuergruben haben. Dazu wird aus dünnen Baumstämmen ein Gerüst gebaut. Die Wände werden dann aus Segeltuch oder Baumrinde gefertigt und auf das Dach legt man Stroh, Riet oder ebenfalls Rindenstücke. Solche Hütten sind nicht sehr haltbar, aber ein oder zwei Monate lang bieten sie eine brauchbare Unterkunft.

Festungen und Befestigungen

Werden in Waligoi Befestigungen benötigt, so bestehen sie oftmals aus einen einige Schritte hohen Erdwall mit einem außen davor liegende Graben. Der ist oft mit Wasser gefüllt, indem nahe Bäche dorthin umgeleitet werden. Auf der Krone des Walls wird mit Holzstämmen eine Palisade von drei Schritten Höhe errichtet. An deren Innenseite ist auf halber Höhe ein hölzerner Laufgang, auf dem die Wachen oder Verteidiger halbwegs geschützt stehen. Die Zugänge sind besonders geschützt und sind oftmals Gänge, die durch den Wall führen, die an beiden Seiten von dicken Holztoren verschlossen werden können. Solche Befestigungen werden auch für Siedlungen und verwendet. Je nach Größe der Siedlung können sie mehr oder weniger groß und fest ausfallen. Die kleinste Art ist eine einfache Palisade um ein Dorf, ohne Wall und Graben. Yggrgard ist eigentlich gleich aufgebaut, nur dass der Wall sechs Schritte hoch ist und statt der Palisade eine acht Schritte hohe und drei Schritte dicke Steinmauer steht.

Die Geschichte hat gezeigt, dass eine Befestigung keine Gewähr dafür ist, dass man nicht dennoch eingenommen wird, sie macht die Sache für die Angreifer nur teuer und unangenehm.

An einigen Stellen gibt es richtige Festungen. Es sind kreisrunde Anlagen, in denen bis zu eintausend Männer in richtigen Langhäusern Platz haben. Oftmals werden sie dorthin gebaut, um etwas zu schützen oder daran zu hindern, weiter vorzudringen. Bekannte Beispiele sind die beiden Wachen Thrumarivakna und Drekivakna an den Pässen im Gebirge, die Wachen Rukvakna und Niflvakna nahe dem Urrspalt und im Süden die große Burg gleichen Namens bei Tanstat.

Die Krieger

Unter einem Krieger versteht man jeden Erwachsenen und jeden Jugendlichen, der an den kommenden Kämpfen direkt teilnehmen wird. Dazu gehören ebenso erfahrene wie unerfahrene Krieger, Frauen wie Männer, Anführer und Gefolgsleute und manchmal sogar Unfreie. Diesen Kriegern fallen abgesehen vom eigentlichen Kampf im Lager eine Reihe von Aufgaben zu.

Bewachung des Lagers

Diese Aufgabe wird zumeist den jüngeren Kriegern zugewiesen. Zu Bewachung gehört es auch, die ein- und ausgehenden Menschen zu beobachten.

Bewachung der Gefangenen

Da Gefangene für die Sicherheit in einem Lager nicht ungefährlich sind, werden sie in der Regel von einer Anzahl gerüsteter und erfahrener Wachen bewacht. Außerdem stellen sie einen nicht unbedeutenden Teil der Beute dar, indem für ihre Freiheit Lösegeld bezahlt werden muss.

Befragung von Gefangenen

Gefangene werden von Krieger und ihren Anführern befragt, um in Erfahrung zu bringen, wie stark der Gegner ist und was er vorhat. Dabei geht man nicht zimperlich mit den Gefangenen um und es kann auch einmal Schläge setzten.

Beute sortieren und verteilen

Besonders vertrauenswürdige Krieger werden dazu eingeteilt, die Beute zu sortieren und zu bewachen und ihren Wert einzuschätzen. Am Ende des Kampfes, wenn all die Beute geschätzt ist, wird sie nach einem althergebrachten Verfahren verteilt. Dabei werden sie von ihren Häuptlingen gut beobachtet.

Die Verteilung erfolgt nach Mannschaften. Eine Mannschaft hat vierzig Männer, darunter ein Anführer und zwei Unteranführer. Das entspricht einer Schiffsmannschaft mit einem Eigner, einem Steuermann und einem Schiffsführer. Dabei geht man wie folgt vor:

Jeder Mannschaft wird ein Anteil an der Beute zugewiesen. Davon bekommt der Eigner/Anführer die Hälfte, wobei er für Unterbringung und Verpflegung seiner Mannschaft sorgen muss. Die Unteranführer/Schiffsführer/Steuermänner bekommen jeweils ein Achtel der verbleibenden Summe und das restliche Viertel wird unter der Mannschaft zu gleichen Teilen verteilt.

Totenbestattung

Das eigentliche Ritual erfolgt durch die Krieger und ihre Anführer, die dazu erforderlichen Arbeiten wie etwa graben oder Holz sammeln werden durch die Hilfskräfte erledigt. Die Toten einer Schlacht werden in der Regel gemeinsam in einem Grab bestattet, über das ein mehr oder weniger großer Hügel errichtet wird. Ist nicht gewährleistet, dass dieses Grab unangetastet bleibt, werden die Toten verbrannt und ihre Asche in einem Grab mit schiffsförmiger Steinsetzung bestattet. Toten Kriegern wird nur ihre Waffe als Grabbeigabe mitgegeben, sein anderer Besitz wird an andere verteilt. Nur Häuptlinge werden mit ihrer gesamten Ausrüstung bestattet, oftmals auf ihren brennenden Schiffen. 

Religiöse Gebräuche

Bei jedem größeren Heer ist nahezu immer eine Godhi. Er führt die erforderlichen Riten wie Bestattungen, Opferungen und Orakel durch und hält somit das gute Verhältnis der Krieger zu ihren Göttern aufrecht.

Kampfübung

Da es im Lager bei all der Warterei und mit nur wenigen Frauen schnell langweilig wird, achtet der gute Anführer darauf, das seine Männer genug zu tun haben. Dies erreicht er vor allen dadurch, dass er seine Männer unablässig mit ihren Waffen üben lässt. So nutzt er diese Zeit dazu, dass erfahrene Krieger den jüngeren etwas beibringen und damit die Kampfkraft der Truppe stärken. Von besonderem Wert haben dabei Übungen in einem Schildwall, denn dort können Angst und Fehler zu erheblichem Schaden führen.

Jagd

Zur Erweiterung des Angebots an Speisen gehen Gruppen von Kriegern los, um Tiere, wilde wie gezähmte, zu jagen und deren Fleisch ins Lager zu bringen. Es ist durchaus gewollt, dass dabei auch Menschen gefangen genommen werden, um sie den eigenen Hilfskräften anzugliedern.

Rechtsprechung

Ist es notwendig, über ein Vergehen zu urteilen, wird ein Kriegsthing einberufen. Als Thingmänner werden dabei eine Anzahl von angesehenen Männern von den Anführern bestimmt. Ansonsten erfolgt die Rechtsprechung hier genauso wie sie auch bei einem üblichen Thing stattfindet. Als einzige Ausnahme gilt, dass man keinen im Rang höher gestellten zum Zweikampf fordern darf. An Strafen kommen üblicherweise nur drei zur Anwendung: Hinrichtung, Verbannung und Metverbot für einen Tag (mehr würde zu Aufständen führen!).

Freizeit

Anders als die Hilfskräfte haben die Krieger trotz all ihrer Aufgaben viel Zeit, in der nichts zu tun ist. Dann macht sich schnell Langeweile breit. Um sich die Zeit zu vertreiben pflegen die Krieger neben dem Trinken von Met und Raufereien eine Anzahl von Spielen. Dazu gehören natürlich das Skak, die Würfelspiele Mangari und Tvisvardubla, aber auch körperliche Spiele wie Ringen, Stikkar, Kaflistroka und Nottbikkja. Auf die körperlichen Spiele wird von den Zuschauern oftmals besonders gerne gewettet. Eigentlich wird auf alles gewettet, was irgendwie dazu geeignet ist, wer im Holzhacken schneller ist, ob ein Verwundeter überlebt oder nicht, was es heute zu essen gibt oder ob es regnet oder nicht. So mancher Wali hat schon vor dem Kampf seine ganze Beute verspielt oder ist sogar verschuldet nach Hause gekommen.

Die Hilfskräfte

Wenn es eben geht, bringt jedes Schiff einer Flotte einige Unfreie mit, die sich um die alltäglichen Verrichtungen in einem Lager kümmern. Wenn dies nicht möglich ist, sehen die Krieger zu, dass sie so bald wie möglich Gefangene machen, von denen sie diejenigen, für die kein Lösegeld zu erwarten ist, zu Unfreien machen, damit diese deren Aufgaben wahrnehmen. Die Aufgaben dieser Unfreien für das Wohlergehen der Menschen in einem Kriegslager sind vielfältig.

Unterkünfte errichten

Dies ist die erste Aufgabe, noch bevor das Lager mit Gräben und Dornenhecken bewehrt wird. Die Unfreien errichten die mitgebrachten Zelte oder bauen aus Holz und Grassoden Hütten, in denen die Krieger ihren Besitz unterbringen und selber schlafen können.

Latrinen graben

Sobald die Unterkünfte errichtet sind, werden als Nächstes Latrinen gegraben. Dies ist wichtig, um die Ausbreitung von Krankheiten im Lager zu unterbinden. Die Latrinen werden abseits vom Lager errichtet und bestehen aus tiefen Gruben, die mit Brettern abgedeckt sind. In deren Mitte ist ein Loch und darüber in Balken, auf dem diejenigen hocken können, die sich erleichtern wollen. Ist eine Latrine voll, wird sie zugeschüttet und ein neues Loch an einer anderen Stelle gegraben.

Feuerholz, Wasser, Nahrung suchen

Die jüngeren Unfreien werden oftmals aus dem Lager heraus geführt, damit sie in der umliegenden Gegen nach Feuerholz, frischem Wasser und Nahrungsmitteln suchen. Dabei werden sie immer von einigen Kriegern bewacht, die mehr dafür sorgen sollen, dass keiner der Unfreien flieht. Holz ist sowohl zum Heizen als auch Kochen erforderlich. Als Nahrungsmittel werden Beeren, Pilze und Kräuter gesammelt und naheliegende Felder abgeerntet. Auch erbeutete Tiere werden ins Lager getrieben.

Lebensmittel zubereiten

Die besten Köche unter den Unfreien sind in einem Lager hoch angesehen. Sie bereiten aus dem, was zur Verfügung steht, die Mahlzeiten für die Krieger und die Hilfskräfte. Es kann vorkommen, dass ein Koch nach einem misslungenen Mittagsmahl davongejagt oder sogar erschlagen wird.

Nicht jeder bekommt in einem Lager zu selben Zeit etwas zu essen. Zuerst sind die Krieger an der Reihe, geordnet nach Rängen, dann folgen die Unfreien und dann, wenn noch etwas vorhanden ist, die Gefangenen. Wenn ein Gefangener auf jeden Fall getötet werden wird, ist es sinnlos, Essen an ihn zu verschwenden.

Waffen und Rüstungen reparieren

Diese Arbeit erfolgt unter der Aufsicht von Kriegern. Keiner würde seine Waffen und Rüstungen aus den Augen lassen. Zwar erlaubt man es Unfreien, daran zu arbeiten, aber die Anweisung dazu kommt in jedem Fall vom Besitzer. Oftmals finden sich freie Schmiede unter den Hilfskräften, das sie sich zu Recht einiges an Verdienst davon versprechen. Allerdings ziehen es viele Krieger vor, ihre Waffen und Rüstungen selber herzurichten.

Behandlung von Kranken und Verwundeten

Kranke und Verwundete werden üblicherweise von den Unfreien behandelt. Bevorzugt werden dazu Frauen eingesetzt. Bei besonders schwierigen Fällen beschäftigen sich diejenigen damit, die dafür besonders geeignet erscheinen, selbst wenn es Krieger sind. Üblicherweise werden auf Kriegsfahrten immer einige besonders in Kräuterkunde und Wundbehandlung bewanderte Unfreie mitgenommen.

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